Experten fordern große Pflegereform


Bundesweite Kampagne startet
Experten fordern große Pflegereform

„Pflege kann nicht länger warten – eine große Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung ist längst überfällig.“ Mit diesen Worten gab die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, den Startschuss zur bundesweiten Kampagne "Große Pflegereform – jetzt!". Die Initiative führt die VdK gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft durch.

Demenzkranke stärker berücksichtigen

„Die letzten Jahre wurden in Sachen Pflege beinahe nutzlos vertan“, kritisiert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Statt Verbesserungen habe es für Menschen mit Demenz „nur ein paar Pflaster“ gegeben. „Am grundsätzlichen Dilemma hat das nichts geändert.“ Auf Basis eines ganzheitlichen Pflegebedürftigkeitsbegriffs müssten vor allem Demenzkranke angemessene Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, fordert: „Die 1,4 Millionen Demenzkranken brauchen zeitintensive Betreuung, Begleitung und Beaufsichtigung, was derzeit in der Pflegeversicherung nur unzureichend berücksichtigt wird. Die meisten werden von Angehörigen, oft unter großen Opfern, betreut und gepflegt. Diese brauchen Anerkennung und individuell passende Unterstützung.“

Pflegebedürftigkeit neu definieren

Nach Berechnungen des VdK und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist die Finanzierung einer großen Pflegereform mit einer Beitragssatzerhöhung von 0,5 Prozent finanzierbar. Dies haben die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag auch vereinbart. Allerdings will die Bundesregierung davon 0,1 Prozent für einen Pflegevorsorgefonds abzweigen. Geld, das für Leistungsverbesserungen nicht zur Verfügung stünde. „Wir sehen dadurch die Finanzierung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs in Frage gestellt“, warnt Mascher. Aus Sicht des Sozialverbands VdK und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft muss ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff im Mittelpunkt einer Reform stehen. „Ein solcher ganzheitlicher Pflegebedürftigkeitsbegriff würde vielen alten Menschen entgegenkommen, die zwar Hilfebedarf haben, aber bisher nicht den Kriterien der Pflegeversicherung entsprechen. Durch frühe Hilfen und rechtzeitige Wohnraumanpassungen könnten zum Beispiel mehr Menschen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. So würde man auch Vereinsamung oder Heimunterbringung vermeiden können“, erklärt Mascher.

Ein wichtiger Kampagnen-Baustein ist die Petition 50389 für eine schnelle und umfassende Pflegereform, die der Sozialverband VdK beim Deutschen Bundestag eingereicht hat. „Bis zum 21. April 2014 benötigen wir 50.000 Unterschriften, damit unsere Forderungen zur Pflege im Petitionsausschuss öffentlich Gehör finden“, berichtet Mascher.

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